Hello and a warm welcome! Summer bereichert den Rügener Frauenchor
Wenn Summer Leigh Johannsen zu singen beginnt, weht ein Hauch von Wales durch unseren Probenraum – und mit ihm eine Geschichte, die von den Bergen ihrer Heimat bis auf die Insel Rügen führt. Seit Juni 2024 ist die gebürtige Waliserin Mitglied im Rügener Frauenchor und bringt nicht nur musikalisches Talent, sondern auch eine gute Portion britischen Charme mit.
Von Wales über China nach Rügen
Summer stammt aus der Kleinstadt Rhayader, dem Tor zum Elan Valley in den malerischen Cambrian Mountains. Die Region ist bekannt für ihre spektakulären Staudämme und großen Seen – ein Paradies für Wanderer. Während ihres Linguistik- und Chinesischstudiums an der Lancaster University im englischen Lake District lernte Summer nicht nur Chinesisch. Sie verbrachte auch ein Jahr in Guangzhou, um ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen und die chinesische Kultur zu erleben – „eine der aufregendsten Erfahrungen meines Lebens“, sagt sie.
Und auch auf andere Weise wurden an der Uni die Weichen für ihr Leben gestellt: Sie lernte ihren künftigen Ehemann kennen, einen gebürtigen Rüganer. Gemeinsam zog das Paar auf seine Heimatinsel, wo er als Englischlehrer am Bergener Gymnasium anfing. Nach einigen Jahren in Sassnitz hat die Familie mit ihrer 20 Monate alten Tochter in Trent ein Zuhause gefunden. Hier genießt Summer die Ruhe des Dorflebens und die Nähe zur Natur. Seit zehn Jahren arbeitet die 31-Jährige als freiberufliche Englischlehrerin und unterrichtet Menschen aus aller Welt online. Kurse mit ihr kann man flexibel über ein Onlineportal buchen. So gelingt es Summer auch, Job und Familie gut zu vereinbaren.
„Deutsch ist komplizierter als Chinesisch“
Neben Familie und Beruf fand Summer schnell Anschluss im Chor und in der Gemeinde. „Ich wurde so herzlich aufgenommen – im Chor fühlt man sich sofort als Teil einer Gemeinschaft“, erzählt sie. Die deutschen Lieder zu lernen, fällt ihr erstaunlich leicht. „Auch wenn ich nicht immer jedes Detail verstehe, kann ich mir die Texte und Melodien ganz gut merken.“ Die Herausforderung allerdings bleibe die deutsche Grammatik – die sei kompliziert, sogar schwieriger zu lernen als Chinesisch.
Bastelnd kulturellen Eigenheiten auf die Spur kommen
Mit ihrer offenen und herzlichen Art bringt Summer auch außerhalb des Chores frischen Wind ins Dorfleben. Sie engagiert sich bei den „Hobbyisten“, einem Trenter Bastelclub, und ist gerne in der Natur unterwegs – besonders der Nationalpark Jasmund hat es ihr angetan. Wenn es die Zeit zulässt, häkelt sie gerne und liefert sich mit ihrem Mann Duelle im Computerspielen.
Sie findet es spannend, die deutschen Traditionen zu entdecken. Den auffälligsten Unterschied sieht sie in der Art, Kontakte zu knüpfen: „Es braucht viel länger, um Freundschaften zu schließen, und das gesellige Leben spielt sich eher in der Familie und weniger in Pubs ab.“ Über einiges kann sie nur staunen. Ein Beispiel? „Das ‚Ordnungsamt‘ – die Bürokratie ist manchmal eine echte Herausforderung“, sagt sie lachend.
Dennoch: Heimweh hat Summer nur selten. Sie ist angekommen – auf Rügen, in Trent und im Chor. Und wir freuen uns, dass sie uns mit ihrem musikalischen Talent und mit ihrer inspirierenden Persönlichkeit bereichert.